Es stürmt und windet...

ein richtiges Aprilwetter zeigt sich im März gerade von seiner schlimmsten Seite. Trotzdem ist in der Natur der Frühling in vollem Gange- ein paar Wochen zu früh. Warme frühlingshafte Temperaturen locken Knospen und Blumen heraus, das morgendliche Vogelkonzert signalisiert: die Brutvorbereitungen sind im vollem Gange. Spatzen und Amseln tragen Nistmaterial umher, Meisen besetzen die Nistkästen und Stockentendamen gehen spazieren mit ihren ausgewählten Erpeln. Brutreviere werden engagiert verteidigt, Jungvögel vom Vorjahr an die Reviergrenzen vertrieben.
In ca. 3 Wochen werden spätestens die ersten Jungvögelchen in den Nestern sitzen.
Höchste Zeit, jetzt noch Nistkästen aufzuhängen. Hier gibt es verschiedene Modelle mit kleinen Einflugslöchern für kleine Meisen, größere für Kohlmeisen und noch größere für Stare. Halbhöhlen werden gerne z.B. von Hausrotschwänzchen genommen und Spatzen freuen sich als Koloniebrüter über Spatzenreihenhäuser. Für Gartenbesitzer heißt es jetzt: aufgepaßt! Hecken und Bäume dürfen jetzt nicht mehr beschnitten oder gar gefällt werden, sie dienen als Kinderstube für Vögel und andere Tiere. Bevor man also einen Formschnitt machen möchte, bitte unbedingt sorgfältig die Hecken auf Nester überprüfen.

Die warme Jahreszeit ist auch oft die Zeit der Fassaden- und Dachrenovierungen. Doch Vorsicht: Nester und Brutplätze von gebäudebrütenden Arten sind besonders streng geschützt! Da wären zunächst die Mehl- und Rauchschwalben. Erstere brüten außen am Gebäude an der Fassade, die andere Art in den Gebäuden, also in Ställen, Scheunen, Garagen, aber auch in Toreinfahrten oder größeren überdachten Flächen. Diese Vögel stehen auf der roten Liste, ein Zerstören der Nester ist daher strafbar, besonders auch für die Firmen, die sie ohne behördliche Genehmigung im Zuge der Arbeiten entfernen. In solchen Fällen kann man mit empfindlichen Geldbußen rechnen! Stört man sich am Kot der Tiere, kann man Brettchen unters Nest montieren, die die Kotstreifen von der Fassade fernhalten.

Dasselbe gilt für Spatz und Mauersegler. Bevor man renovieren möchte, sollte man gut beobachten, ob Vögel unterm Dach nisten. Bei Spatzen ist das einfacher, sie sind ja präsent. Mauersegler aber kommen erst Anfang Mai aus den Überwinterungsgebieten zurück. Sie nutzen immer ihre alten traditionellen Nistplätze unter den Dachpfannen, in den Speichern oder in Mauerlücken. Werden die zugemauert oder wird die Fassade dicht gemacht, ohne Einflugslöcher zu lassen, kommen die Vögel oft nicht zur Brut, weil sie immer wieder verzweifelt versuchen, zu den alten Niststellen zu kommen. Neue Reviere zu besetzen ist bei Mauerseglern oft mit erbitterten Revierkämpfen verbunden, nach denen dann weniger gebrütet wird, weil Elternteile durch Verletzungen ausfallen.
Unbemerkt werden oft bei Fassaden- und Dachrenovierungen die Wochenstuben oder Winterplätze von Fledermäusen zerstört und die Tiere dabei durch Aushungern getötet.

Bevor eine Renovierung gestartet wird: unbedingt - im Zweifel mit Fachleuten - überprüfen lassen, ob sich Brutplätze am und im Gebäude befinden! Mit der Naturschutzbehörde seiner Stadt oder Landkreis sollte man sich kurzschließen, wie man weiterhin vorzugehen hat, um Ärger vorzubeugen. In der Regel müssen die Nistplätze erhalten bleiben oder durch Kunstnester ersetzt werden. Dazu gibt es - auch gedämmte- Einbausysteme, die den Vögeln und Fledermäusen eine neue Heimat bieten.

Wir alle wollen unsere Natur erhalten, dazu gehört es auch, dass wir alle lernen, Verantwortung dafür in vollem Umfang zu übernehmen. Man muss dann eben mal unbeschnittene Hecken und Büsche aushalten, wenn darin gebrütet wird oder die Renovierung von Fassade und Dach verzögert sich. Nur gemeinsam können wir gegen das schlimmste Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier entgegen wirken. Es ist nämlich nicht mehr fünf vor zwölf, sondern eine halbe Minute vor Zwölf.

 

Der stumme Frühling                                                                                         

Seit 1980 sind die Vogelbestände in Deutschland um 80% zurückgegangen und sie nehmen weiter in einer erschreckend beispiellosen Geschwindigkeit ab, sodass man vom Artensterben sprechen kann. Von einigen Vogelarten wie dem Star ist nur noch ein Viertel des Bestandes von vor 50 Jahren übrig, andere Vögel - wie der einst so alltägliche Hausspatz oder der Feldsperling sowie unsere Schwalbenarten - stehen auf der Vorwarnliste zur Roten Liste.

Vom Aussterben bedroht sind z.B. die einst bekannten Zaun- und Zippammern, auch die meisten Wildhuhnarten wie Rebhuhn, Haselhuhn, Auerhahn. Viele bodenbrütende Arten, wie Lerchen und Kibitze - einst häufige und volkstümliche Vögel-, sind aus den Landschaften verschwunden, in denen sie einst so zahlreich waren.

Die Liste der gefährdeten Vogelarten wird immer länger; alleine in Deutschland stehen über 100 mitteleuropäische Vogelarten auf der Roten Liste und gelten als stark gefährdet, mehr als 20 sind auf der Vorwarnliste und 15 sind mittlerweile ausgestorben.


 sehr seltener Wachtelkönig: durch Stacheldraht verletzt                         

In Not durch Menschenhand! Oft kommen Vögel durch Menschenhand direkt oder indirekt zu Schaden als sogenannte Zivilisationsopfer: industrialisierte Landwirtschaft als Hauptursache für das massenhafte Verschwinden, Fensterschlag, Stacheldraht, Straßenverkehr, Hauskatzen - das sind nur einige der von Menschen erzeugten Gefahren.

Wir wollen versuchen zu helfen, um das Vogelsterben im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas zu bremsen. Wir bemühen uns, Ihnen zur Seite zu stehen, wenn Sie einen verletzten, kranken oder verwaisten Vogel gefunden haben oder Hilfe und Infos zum Thema Wildvögel benötigen.
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