Katzen und Vögel: Eine Betrachtung aus wissenschaftlicher Sicht

Deutschlands beliebtestes Haustier ist die Katze: Mit ca. 13 Millionen Exemplaren wird sie in mehr als 20 % der deutschen Haushalte gehalten- Tendenz steigend! Davon sind etwa 8 Millionen Freigängerkatzen. Dazu kommen circa mehr als 2 Mio. Streuner. Die Hauskatze hat trotz 4000 Jahre Domestizierung nichts von dem verlernt, was ihre wilden Vorfahren, die Falbkatzen, zum Überleben brauchten. So sind Hauskatzen geschickte Jäger, die auf leisen Pfoten alles erbeuten, was in ihr Beuteschema passt, so auch viele Vögel. Allein in Deutschland werden laut Schätzungen 149 Millionen Vögel durch Katzen getötet, in den USA gehen die Zahlen sogar in die Milliarden. Mit all den Freigängerkatzen trifft eine Heerschar von Beutegreifern auf unsere einheimische Tierwelt und das in einer Bestanddichte, die keine natürlichen Beutegreifer wie Wiesel, Marder, Greifvögel und Fuchs in ihrer Gesamtheit aufweisen. Ein Blick auf die Bestände der Haussperlinge, Heckenbraunellen und Rotkehlchen beweist: Etwa 45 % der erwachsenen Vögel und der Jungen werden von Katzen erbeutet. Diese Verluste sind nicht mehr zu vernachlässigen, so der Wissenschaftler Philip Baker von der Universität Bristol. Es ist also möglich, dass lokal die Populationen dieser Arten so drastisch gesenkt werden, dass sie sich nicht mehr selbständig erhalten, sondern nur noch durch Zuwanderung aufrecht gehalten werden können.

Objektiv betrachtet gehören Katzen, auch wenn es eine unbequeme Wahrheit ist, zu den invasiven Arten. Das Ungleichgewicht, das Katzen durch den künstlich erzeugten Beutedruck in die Natur bringen, kann schlimmstenfalls zum Erlöschen einer ganzen Spezies führen. So ist alleine die Hauskatze für die Ausrottung von weltweit über 33 Vogelarten seit 1600 alleinverantwortlich, dazu kommen weitere Ausrottungen von Reptilien und Kleinsäugern. Mittlerweile bemühen sich nationale und internationale Naturschutzorganisationen um die Entfernung von Hauskatzen aus besonders kritischen Gebieten – um wenigstens die Restbestände der dort heimischen Fauna zu erhalten. Auch die Kastrationspflicht setzt sich immer weiter durch, so auch im Rhein-Sieg-Kreis. Diese Maßnahme rettet nicht nur vielen Vögeln ihr Leben, sondern reduziert auch Katzenelend.

 

„Das ist Natur“

Mit dieser Aussage beruhigen sich Katzenbesitzer oft, wenn die Katze wieder einmal in ihrem Spieltrieb ein Wildtier qualvoll verletzt oder gar getötet hat.

Hierzulande werden in der Regel häufig vorkommende Vogelarten wie Amseln und Meisen erbeutet. So werden ebenso oft überdurchschnittlich Arten wie Haussperlinge, Heckenbraunellen, Stare und Singdrosseln erbeutet. Diese Vogelarten befinden sich auf bedenklich absteigendem Ast. So nahmen in einer langjährigen Studie von 1974 bis 1999 die Haussperlinge um mehr als die Hälfte ab, Singdrosseln erlitten Bestandsverluste um 60 % und Stare sogar um zwei Drittel. Sicherlich kann man noch andere, nicht unerhebliche Faktoren benennen, die an dem Bestandsschwund maßgeblich schuld sind: industrielle Landwirtschaft, mangelnde Brutmöglichkeiten, Nahrungsmangel durch artenarme Ziergärten.
 

 

Verantwortung für die Natur und für die Katzen übernehmen!

Leider ist dieses Brauchtum, Katzen streunen zu lassen, ohne  nennenswerte Kritik bis in die heutige Zeit übernommen worden. Besonders in der heutigen hektischen Zeit bedeutet die Anschaffung einer Katze eine sehr bequeme Tierhaltung, da eine Katze recht selbständig ist und im gewissen Rahmen für sich selber sorgen kann. Der Halter muss sich kaum kümmern, da mittels Katzenklappe das Tier kommen und gehen kann, wie es ihm gefällt.

Ist eine Katze in ihrem Revier unterwegs, bedeutet das für die dort lebenden Singvögel jedoch einen enormen Stress. Gerade in der Zeit der Brut und Jungenaufzucht können solche Störungen gravierende Ausmaße annehmen. Obwohl die Rolle der Hauskatze im empfindlichen Gefüge der Natur bislang nicht vollends geklärt ist, gibt es doch stets heiße Diskussionen zwischen Katzenbesitzern und Vogelliebhabern. Mit wenigen Mitteln ließe sich schon das Streitthema entschärfen.

Am einfachsten wäre es, wenn die Katze das Haus nicht verlassen würde. Das wird mittlerweile von vielen Naturschutzorganisationen propagiert: ein echter Stubentiger kann so nicht unter Nachbars Spatzen seinen Jagdtrieb befriedigen. Das wird aber von vielen Katzenbesitzern und Tierschutzorganisationen abgelehnt; sie sehen es als Tierquälerei, wenn eine Hauskatze sich nicht natürlich entfalten kann.

Auch aus tierschutzrechtlichen Gründen für die Hauskatze ist es vollkommen verantwortungslos, die Hauskatze vollkommen unkontrolliert umherstreifen zu lassen. Halter von Freigängerkatzen nehmen unbesehen in Kauf, dass ihr Tier schlimmstes Leid erfährt: von Autos erfasst, vergiftet, erschossen, usw. wird. Hauskatzen haben wie andere Tiere keinen Plan, mit dem sie auf Straßenverkehr, Bahntrassen, Schächte und andere menschengemachte Gefahrenquellen reagieren können. Unendliches Tierleid ist das Resultat, die Suchmeldungen bei „Tasso“ und Co. belegen dies. Nicht zu vergessen, welches Leid das Verschwinden oder der Unfalltod des geliebten Haustieres für den Halter bedeutet.

Jedes andere Haustier, sei es Hund, Kaninchen, Meerschweinchen, Kuh, Pferd und Schwein etc. wird in Menschenhand an seiner natürlichen Freiheit gehindert. Hunde z.B. bilden Rudel und würden gerne kilometerweit umherstreifen, Nutztiere würden stetig neue, saubere Weideflächen suchen. Man stelle sich vor, wir würden unsere Ziervögel draußen herumfliegen lassen oder unsere Reptilien freilassen, nur weil es >artgerecht< wäre. Nur die Katze darf diese Freiheit nutzen und richtet dabei mitunter enorme Schäden an den Geschöpfen unserer einheimischen Natur an!

Leider fragt auch selten ein Katzenbesitzer nach, ob es dem Nachbarn recht ist, wenn die Hauskatze in seinem Teich fischt, die Blumenbeete als Katzenklo missbraucht oder sein Futterhäuschen als Schnellimbiss betrachtet. Auch in den Zeiten von zunehmenden Allergien kann Nachbars Kater auf der eigenen Gartenstuhlauflage ein enormes gesundheitliches Risiko darstellen.

 

Wenn Sie sich eine Katze anschaffen möchten oder schon eine haben:

  • Lassen Sie Ihre Katze unbedingt kastrieren! Sie wirken so einer unkontrollierten Vermehrung entgegen. Kater werden häuslicher und markieren weniger. Weibliche Katzen können keine Jungen mehr bekommen, die oft schwer oder gar nicht zu vermitteln sind und letztendlich im Tierheim landen oder als Streuner auf der Straße. Wirken Sie so Katzenleid entgegen!
  • Spielen Sie sehr viel mit Ihrer Katze. Auch dabei kann das Tier seinen Jagdtrieb ausleben. Wenn Sie den ganzen Tag nicht zu Hause sind, sollten Sie sich keine Katze(n) anschaffen, damit das Tier nicht ständig sich selbst überlassen ist!
  • Füttern Sie ihre Katze vor dem Freigang gut. Satte Katzen sind seltener in der Laune, Beute zu machen. Das rettet Vogelleben!
  • Setzen Sie Ihre Katze bitte nicht aus, wenn Sie sich nicht mehr um sie kümmern können! Produzieren Sie kein Katzenleid! Streuner ernähren sich zwangsläufig durch Jagd und daher auch von Vögeln. Aus Tierschutzgründen ist das Aussetzen von Haustieren ohnehin verboten. Lassen Sie Ihre Katze von Nachbarn oder Bekannten betreuen, sollten Sie mal nicht da sein. Können Sie die Katze nicht mehr halten, suchen Sie ihr per Zeitungsanzeige oder übers Internet ein neues Zuhause oder geben Sie sie in ein Tierheim oder zu einem Katzenschutzverein. Das alles ist immer besser, als das Tier hilflos sich selber zu überlassen!
  • Beobachten Sie Jungvögel oder warnende Altvögel im Garten. Lassen Sie Ihre Katze bitte ein paar Tage nicht hinaus, bis die Jungen flugfähig sind.
  • Bauen Sie, falls Sie Gartenbesitzer sind, ein großes Gehege >Marke Abenteuerspielplatz< für Ihre Katze. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! So kann Ihr Stubentiger keinen Schaden in der Natur anrichten und Sie sind sich sicher, dass das Tier nicht überfahren, angeschossen oder vergiftet wird. Trozdem kann die Katze Sonne, Luft und die vielen Eindrücke in der Natur geschützt genießen.
  • Lassen Sie bitte Ihre Katze in ländlichen Gebieten nicht ungehindert herumlaufen und nehmen Sie Rücksicht auf benachbarte Naturschutzgebiete und Biotope.

 

Vogelliebhaber und Gartenbesitzer:

  • Erschweren Sie den Katzen den Zugang zu Nistkästen, Amphibien- und Reptilienstandorten. Dazu eignen sich z.B. Maschendraht, Viehhüterdraht, (eventuell mit elektrischem Zaungerät für Kleintiere) und Manschetten für Baumstämme. Eine kostenlose Methode ist das Umwickeln der Baumstämme mit stacheligen Brombeer- oder Rosenranken vom letzten Heckenschnitt. Auch alte dünne Bleche, um die Stämme gewickelt oder Plastikrohrreste, längs aufgeschnitten, können auf die Stämme gesteckt werden und verhindern ein Hinaufklettern von Beutegreifern.
  • Gestalten Sie Ihren Garten naturnah, z.B. mit dichtem (dornigen) Gebüsch, in das die Katzen nicht eindringen können, aber in dem die Vögel Versteck- und Jungenaufzuchtsmöglichkeiten haben.
  • Katzen sind vorzügliche Kletterer und können weit springen! Hängen Sie Nistkästen katzensicher auf: mindestens 2 m über dem Boden an Seitenästen oder an glatten Fassaden, so dass Katzen nicht hinaufklettern können. Kästen mit einem steilen, glatten Dach bieten Katzen keinen Halt.
  • Vogeltränke und- Futterstelle mindestens 1,5 m vom nächsten Gebüsch entfernt aufstellen. So kann die Katze sich nicht unbemerkt anschleichen, der Fluchtweg der Vögel ist aber kurz genug in die nächste Deckung.
  • Bitte verwenden Sie keinen Stacheldraht zur Katzenabwehr! Daran können sich Katzen, aber auch andere Tiere verletzen.
  • Es gibt im Handel Streupulver, Sprays und inzwischen auch Pflanzen, wie den Harfenstrauch, auch „Verpiss-dich-Pflanze“ genannt, deren Duft Katzen erfolgreich abwehren. Menschen nehmen den Geruch nicht wahr.
  • Beobachten Sie eine fremde Katze im Garten und wollen diese vertreiben, benutzen Sie dazu Wasser. Katzen sind recht wasserscheu, mit einer einfachen Wasserpistole aus dem Spielzeughandel oder dem Gartenschlauch können Sie das Tier auf Abstand halten.
  • Suchen Sie das Gespräch mit Katzenbesitzern und klären Sie sie über Vogelarten in der Umgebung auf. Bitten Sie die Katzenfreunde, ihre Katzen im Haus zu behalten, oder den Freigang zu kontrollieren bis die Jungvögel flügge sind.

 

Literatur:

Daniel Lingenhöhl, Vogelwelt im Wandel, Wiley-VCH Verlag, S. 209-215

Landesbund für Vogelschutz: http://www.lbv.de/service/naturschutztipps/katzen-und-voegel.html

Nabu: http://www.nabu.de/ratgeber/katzenundvoegel.pdf

BUND: http://www.bund.net/index.php?id=1807

Komitee gegen den Vogelmord: http://www.komitee.de/content/vogelschutz-praktisch/hauskatzen-und-vogelschutz

http://de.wikipedia.org/wiki/Lotka-Volterra-Regeln                                                                                                                                                                                                                                          

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