Die Wildvogelhilfe Rhein-Sieg

Auf etwa 3500 qm Wiesengrund am Waldrand ist die Wildvogelstation entstanden, bzw. wird noch ausgebaut. Vierzehn Volieren und zwei eingezäunte Freilaufgehege bieten den Vögeln zur Zeit Unterkunft. Eine große Wiese wird von Wasservögeln tagsüber als Aufenthalt genutzt. Ein extra eingerichtetes Vogelhaus gibt kranken und verletzten Vögeln, die nicht volierentauglich sind, einen ruhigen Platz in den verschiedenen Pflegeboxen und in kleinen Volieren. Dazu haben wir vier temperierte Kükenaufzuchtboxen, wo selbst nackte Nestlinge aufgezogen werden können. Wir sind also gerüstet für Vogelarten aller Art und Größe.

Sinn und Zweck der Auffangstation ist es, verletzte, erkrankte oder verwaiste Wildvögel aufzunehmen, sie zu pflegen und anschließend wieder auszuwildern. Die Auswilderung ist erste Priorität! Sind die Vögel wieder gesund oder selbständig, werden sie zunächst in einer Freiflugvoliere untergebracht, wo sie ihre Fitness aufbauen oder etwas über das Leben in der Freiheit lernen. Hier können sie zudem mit Artgenossen ihr Verhalten trainieren. Anschließend werden sie ausgewildert, indem eine Klappe geöffnet wird oder der Vogel dorthin gebracht wird, wo er gefunden wurde.

In einigen Fällen ist eine Auswilderung nicht möglich. Dann wird geprüft, ob dem Vogel ein Leben in Menschenhand und artgerechter Haltung zuzumuten ist. Ist das möglich, wird das Tier den Behörden gemeldet und ggf. beringt. Anschließend wird es einem sachkundigen Vogelhalter überlassen oder verbleibt in der Station. Wir suchen immer wieder ein neues Zuhause für die unterschiedlichsten Vögel, die durch eine Behinderung oder aus anderen Gründen nicht (mehr) tauglich für die freie Wildbahn sind.

Derzeit wird die Station unter der Leitung von Angelika Bornstein mit ein bis zwei Bundesfreiwilligen und einem Team aus circa 25 Ehrenamtlichen unterhalten. Dennoch wird immer nach Unterstützung gesucht. Wir freuen uns über jede helfende Hand oder auch über Spenden.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                      

 

  

Junge Grünfinken in der Aufzuchtbox

 Junger Reiher

Amselnestinge in der Aufzuchtbox

junge Mauersegler

 

Die Natur regelt das alleine - warum so viel Mühe?

In Anbetracht des fortschreitenden Biodiversitätsverlustes sehen wir die Pflege von verletzten und verwaisten Wildvögeln als notwendigen Beitrag zum Artenschutz an. Wie schon eingangs erwähnt, leiden unsere Wildtiere massiv unter dem Einfluss von Menschen. Nur noch selten bekommen wir Vögel in die Station gebracht, die tatsächlich an einer natürlichen Ursache erkrankt sind - wie etwa Infektionen.

Die meisten Fälle sind Katzenopfer, dicht gefolgt von Fensterschlag und Straßenverkehrsopfer. Größere Vögel hängen im Stacheldraht und Wasservögel verletzen sich häufig an achtlos liegengelassenem Angelutensil. Windkraftanlagen und Überlandleitungen sind Todesfallen besonders für große Vögel. Oft werden sie schwerverletzt dort aufgefunden. Schussverletzungen, Tritte und Schläge sowie Vergiftungen sind weitere Gründe, durch die Vögel in Not geraten und so eine Behandlung und Aufenthalt in der Station notwendig machen.

Desweiteren müssen wir uns jedes Jahr um die Flut der vermeintlich elternlosen Vogeljungen kümmern - auch wenn die Vogelkinder oft gar nicht so hilflos waren wie der Finder gedacht hatte. Hier müssen wir viel Aufklärungsarbeit leisten und die Menschen davon überzeugen, dass ein auf dem Boden sitzender, aber befiederter Jungvogel ganz normal ist. Etwas anderes ist es, wenn z.B. Nester vom Sturm aus dem Geäst geschüttelt werden, Katzen die Vogeleltern wegfangen oder ein anderes Unglück die jungen Vögel heimsucht. Hier ist schnelle Hilfe oft lebensrettend.

Natürlich könnte man der Natur ihren Lauf lassen. Aber wer sieht schon gerne Tieren beim Sterben zu. Das geht oft gar nicht so schnell sondern zieht sich über Tage, manchmal sogar Wochen hin. Verletzte oder kranke Vögel verstecken sich, wenn sie dazu in der Lage sind und siechen lange vor sich hin. Selbst einem todkranken oder schwerstverletzten Vogel kann man noch helfen: Indem man sein Leiden abkürzt und ihn beim Tierarzt euthanasiert.

Wir können nicht alle retten! Etwa einem Drittel aller Vögel, die zu uns kommen, können wir nicht helfen. Denn wird ein Vogel auffällig, ist es meist schon 5 vor 12! Hier sind die Verletzungen oft so groß, die Erkrankungen zu schwer oder die Vogeljungen schon seit Stunden ausgekühlt. Trotzdem haben wir immer wieder Wunder erlebt! So manches aufgegebene Tier konnte mit intensivem Einsatz gerettet werden. Umso schöner, wenn wir es dann wieder in die Freiheit entlassen können!


     

Angelhaken im Silbermöwenschlund: der Vogel war bis auf die Knochen abgemagert.

juvenile Zaunkönige

mit ganzem Körpereinsatz wurde der hilflose, durch Flügelkupieren flugunfähige Schwan aus der Matsche eines mitten im Wald gelegenen und abgelassenen Teiches geholt.

 

Wer bin ich? Ein im Wald gefundenes Hühnerküken

 

Manche bleiben: Hühnerküken, zahme Schwäne, Zierenten, Zuchtfasane, Sittiche und andere Zier- und Nutzvögel landen auch oft bei uns. Sie werden häufig orientierungslos und geschwächt irgendwo aufgefunden. So ein junger Hahn inmitten der Kölner Fussgängerzone vor einem bekannten Schnellimbiss, eine Pommerngans mitten im Wald, ein zahmer Zierentenerpel auf einem Parkplatz eines Kölner Baumarkts. Aus Platzgründen versuchen wir die Tiere nach der Gesundung in gute Hände weiterzuvermitteln. Haben Sie Interesse? Die unterschiedlichsten Vogelarten warten derzeit auf ein neues liebevolles Zuhause. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Mail. 

 

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